Dark Souls 3 im Test – Wenn Sterben zur Gewohnheit wird

Posted on Jun 8 2016 - 9:28am by Felix Bittel

Sich wie ein kleines Kind auf etwas freuen. Wie oft hat man das als erwachsener Mensch? Klar als Kind war man leicht zu begeistern. Geburtstage, Weihnachten, Kinobesuche oder ganz banal: Süßigkeiten.

 

Man hat sich auf alles gefreut. Man empfand es sogar als schön, den ganzen Tag mit seinen Eltern zu verbringen… Sag das mal einem 14 Jährigen pupertierenden Jungen. Umso mehr Stellenwert hat es, wenn dich etwas in kindliche Tage zurück versetzt und dir wieder dieses einzigartige Gefühl der Vorfreude gibt. Genauso habe ich mich gefühlt, als der dritte Dark Souls Teil auf der E3 2015 angekündigt wurde.

 

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Prepare to die“ prangte damals auf der finalen Edition des ersten Dark Souls Teils. Für Unwissende wahrscheinlich ein ähnlich schlechter Werbemove, als ob Haribo ihre Gummibärchen ab sofort mit einem schwarzen Van auf der Packung verkaufen würde. Für langjährige Fans aber das vermeintlich schönste Gefühl, was diese Spielereihe zu bieten hat.

Ob man sein Leben nochmal überdenken sollte, wenn ein Videospiel in der Lage ist, Vorfreude auf den Tod zu wecken? Möglicherweise… Aber was wäre ein Souls-Titel denn ohne diese unbeschreibliche Freude, die man verspürt, wenn du den Boss des Gebiets nach gefühlt 1000 Versuchen endlich besiegt hast. Dark Souls 2! Zumindest fast.

 

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Dabei hat die Souls-Serie unglaublich viele Aspekte zu bieten, welche sie zu einer der erfolgreichsten Spielereihen der letzten Jahre gemacht haben. Doch es kommt eben nichts an dieses einzigartige Gefühl des Triumphes ran, welches man nach jedem erfolgreichen Boss-Kampf verspürt. Selbst im realen Leben fällt mir nichts vergleichbar Befriedigendes ein. Was denn auch bitte?

Genau das erhofften sich die Fans vom letzten Teil des Abenteuers. Sie wollten Dark Souls 1 in hübsch. Haben sie das bekommen? Nein nicht wirklich, aber dafür so viel Fanservice, dass selbst Star Wars: The Force Awakens neidisch werden könnte. Ein weiterer Zwiebelritter (Nein nicht Ser Davos) aus Catarina, mehrere bereits bekannte Bossgegner, zum dritten Mal die Möglichkeit per Gargoyles zu reisen und sogar ein alt bekanntes Gebiet wurde wieder ausgegraben.

 

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Man könnte meinen, dass FromSoftware alles daran gesetzt hätte Nostalgie beim Spieler aufkommen zu lassen, um von offensichtlichen Problemen des Spiels abzulenken. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Sicherlich Dark Souls 3 kommt nicht an seinen Meisterhaften Ziehvater Dark Souls 1 heran. Das war aber auch nicht wirklich realistisch.

Dark Souls 1 hat damals eine Welt geschaffen, die nicht nur in sich völlig schlüssig war, sondern auch unheimlich abwechslungsreich, so spannend und mysteriös, wie ein Fanatsy-Spiel es nur sein kann und allen voran durch perfektes Leveldesign derartig in sich verwoben, dass ich den Weg von Anor Londo bis zum Firelink Shrine wahrscheinlich ähnlich gut kenne, wie den von meinem Schreibtisch zum Kühlschrank und zurück. Dass die Entwickler das nicht wiederholen konnten ist in Ordnung, es war nämlich auch nicht ihre Intention.

 

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Viel mehr hat man versucht, die Level in sich schlüssig zu gestalten und damit die schlauchigen Level des direkten Vorgängers, Dark Souls 2, hinter sich zu lassen. Und dies ist ihnen auch bravourös gelungen. So ist es in vielen Arealen möglich, durch freigeschaltete Abkürzungen vom Startpunkt des Gebiets bis zum Endgegner zu laufen ohne das ganze Level wieder neu durchspielen zu müssen. Aber genau das ist eben auch einer der größten Kritikpunkte, die man am Spiel finden kann.

Es kommt nie wirklich das Gefühl auf, dass man eine ganze Welt erkundet. Es ist teilweise leider eher ein stumpfes Abhaken von Savespots, sogenannten Leuchtfeuern. Vor allem wenn das wiedergekehrte Feature der Teleportation von Leuchtfeuer zu Leuchtfeuer erneut direkt zu Beginn des Spiels an möglich ist. Daraus resultierend wird man an einigen Stellen des Spiels genau einmal und dann nie wieder sein.

 

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Doch für viele Fans war das Feature der in sich verwobenen Welt eh immer nur ein Bonus, der das Spiel am Ende noch ein bisschen besser gemacht hat. Sicherlich ein Genialer, aber am Ende eben doch nur ein Bonus. Andere Elemente wie der Schwierigkeitsgrad, das Kampfsystem, das Artwork und abwechslungsreiche Bossgegner standen da eher im Vordergrund. Und genau diese Aspekte hat FromSoftware eben kein bisschen vernachlässigt, sondern teilweise sogar verbessert. So steht das Artwork, welches schon immer einer der großen Pluspunkte der Reihe war, dem des geistigen Bruders „Bloodborne“ in nichts nach.

Einige Bosse sind so derartig gut inszeniert, dass man sich in mehreren Jahren noch an sie erinnern wird und übertrumpfen damit sogar teilweise die ebenfalls großartigen Endgegner der Vorgänger. Das Kampfsystem, das Herzstück des Spiels, wurde großteils beibehalten und nur gezielt, aber wirkungsvoll verfeinert. So hat nun jede Waffe im Spiel als Neuerung eine Spezialfähigkeit, welche dir beispielsweise erlaubt, die Deckung deines Gegners zu durchbrechen. Genauso wurden die Online-Features verbessert, es gibt eine größere Anzahl an brauchbaren Waffen und die Level wirken im Vergleich zu Bloodborne nicht so repetitiv.

Man könnte sicher ganze Podiumsdiskussionen über die Schwächen und Stärken von Dark Souls 3 führen, doch zusammengefasst ist es als Abschluss der Serie mehr als gelungen. Für jeden, der bereits an einem Titel der Souls-Reihe (Bloodborne eingeschlossen) seinen Spaß hatte, ist dies eh ein Pflichtkauf. Für Neueinsteiger ist es nun aber auch noch ein bisschen zugänglicher geworden und damit ebenfalls einen Blick wert.

 

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Tobias Paxian