Nur Fliegen ist schöner: Ace Combat Assault Horizon getestet

Posted on Nov 9 2011 - 9:23am by Erzengel

Als Namco Bandai bekannt gab, einen neuen Teil der berühmten Ace Combat Reihe zu veröffentlichen, war die Skepsis nach anfänglicher Freude groß. Zu groß schien der Unterschied zu den Vorgängern.

Diese spielten allesamt in einer fiktiven Welt und liefen ungefähr nach dem gleichen Muster ab: friedliches Land mit überproportional gut ausgestatteter Luftwaffe wird von militaristischem Nachbarn mit ebenfalls gut ausgestatteter Luftwaffe angegriffen. Dieser setzt dazu physikalisch fragwürdige Superwaffen ein. Im Laufe der Kampagne schießt der Spieler dann mehrere hundert gegnerische Kampfflugzeuge ab, bevor in einem furiosen Endkampf besagte Superwaffe(n) zerstört, den Endboss im Luftkampf besiegt und die Welt rettet.

 

 

Der neueste Ableger bricht in dieser Hinsicht mit einigen alten Traditionen – statt in einer fiktiven spielt er in unserer Welt, und auch im Gameplay hat sich einiges geändert. Neben Kampfflugzeugen spielt man nun auch mit Kampfhubschraubern – als Pilot und als Bordschütze – und Bombern. Und als ob das nicht genug wäre, wurde auch an den Luftkämpfen, dem Herz der Serie sozusagen, herumgespielt. Kernelement der neuen Luftkämpfe ist der sogenannte DFM: der Dog Fight Mode. Wenn man in günstiger Position hinter dem Feind ist, kann man mit den Schulterbuttons den DFM starten. Dann wechselt das Spiel die Kameraperspektive, und der Jet bleibt automatisch hinter dem Gegner, der wild herummanövriert. Gelingt es, ihn einige Sekunden im Fadenkreuz zu behalten, kann man eine Rakete mit erhöhter Genauigkeit abfeuern. Umgekehrt kann sich auch der Gegner im DFM hinter einen setzen, weshalb der DFM ein Gegenmanöver enthält. Nach kurzem Abbremsen kann man sich dadurch wiederum hinter den Gegner setzen. Um den Wahnsinn perfekt zu machen, kann auch der Gegner dieses Gegenmanöver ausführen, weshalb es auch noch ein Gegen-Gegenmanöver gibt, um ein Gegenmanöver abzuwehren. Alles klar soweit?

 

 

Schnell wird im Spiel deutlich, dass es zu großen Teilen um den DFM herum entwickelt wurde. Die Elitegegner im Spiel lassen sich oft gar nicht anders ausschalten. Mehr noch, wenn man diese im DFM angreift, sind diese oft nur in bestimmten kurzen Abschnitten überhaupt verwundbar. So wird dafür gesorgt, dass sie möglichst effektreich in die Szenerie stürzen. Spielt man eine Mission zum ersten Mal, ist das noch beeindruckend. Beim dritten oder vierten Mal dagegen dreht man buchstäblich Däumchen, während man wartet dass man den Gegner endlich abschießen kann. Hier wurde Effekt über Gameplay gestellt.

Effektmäßig versucht Assault Horizon offenbar, sich etwas an modernen Egoshootern zu orientieren. Immer wieder zoomt die Kamera weg vom eigenen Flugzeug zu einem Gegner, der gerade abgeschossen wurde. Man sieht, wie der Pilot aus dem brennenden Wrack geschleudert wird, und Ölspritzer bedecken die Kamera. Gerade letzteres wirkt hin und wieder schlicht ein wenig albern, und in hektischen Luftkämpfen ist dieses Features zum Teil ausgesprochen störend. Mehr als einmal fand ich mich geschätzte 10 Zentimeter vom Boden wieder, als die Kamera zum Flugzeug zurückkehrte. Auch in den Helikoptermissionen hat man zumindest zu Beginn oft das Gefühl, ebenso sehr mit der Steuerung und der Kamera wie mit dem Gegner zu kämpfen.

 

 

Bekannt ist die Ace Combat Serie vor allem für eines: rasante Luftkämpfe mit modernsten Kampfflugzeugen zu einem bombastischen Soundtrack. Die gute Nachricht an dieser Stelle: Hier macht auch Assault Horizon keine Ausnahme. Die Luftkämpfe sind spannend, die Missionen fordernd und abwechslungsreich. Leider schießt das Spiel in diesem Punkt manchmal etwas über das Ziel hinaus, und mehr als einmal hatte ich das Gefühl, dass mein Scheitern einfach am unfairen Missionsdesign lag – wenn man erst am nördlichen Ende der Karte Bodenziele bekämpfen soll, um dann am südlichen Ende einen Transporter retten zu müssen, der von Jägern innerhalb weniger Sekunden abgeschossen wird, kommt hin und wieder etwas Frust auf. Andererseits führt eben dies auch dazu, den Erfolg noch süßer zu machen, wenn es einem dennoch gelingt – wozu im Übrigen der Soundtrack seinen Teil leistet. Die musikalische Untermalung der Kämpfe ist wirklich herausragend und unterstützt die Atmosphäre im Spiel auf grandiose Weise.

 

 

Im Mehrspielermodus tretet ihr mit oder gegen bis zu 15 Spieler an. Neben Coop-Missionen könnt ihr außerdem Deathmatch, Domination und Capital Conquest spielen. Der erste Modus erklärt sich von allein. Bei Domination geht es darum, bestimmte Gebiete auf der Karte zu erobern, indem man alle Gegner in diesem Gebiet abschießt – der Battlefield-Serie nicht unähnlich. Im neuen Capital Conquest Modus geht es darum, das gegnerische Hauptquartier zu zerstören. Mit den gewonnen Punkten können eine Reihe von Upgrades erworben werden, die zum Beispiel die Feuerrate der Bordkanone erhöhen. Neulinge erhalten aber einen gewissen Welpenschutz, so dass die Veteranen die Luftkämpfe nicht völlig dominieren.

 

Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, dass es den Entwicklern gelungen ist, an die alten Erfolge anzuknüpfen. Trotz der vielen Neuerungen ist der Kern des Spieles ähnlich solide wie bei den Vorgängern. Dieser Kern – die dramatischen Luftkämpfe – werden entsprechend gut präsentiert. Während Fans der Serie sich sowieso schnell zurecht finden dürften, werden auch Neulinge dank Steuerungsunterstützung und DFM nicht völlig ins kalte Wasser geworfen. Für Einsteiger vielleicht der beste Teil der Serie.

Wertung: 85%

 

 

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Tobias Paxian