E.Y.E: Divine Cybermancy: Indie Rollenspiel Cyberpunk Mix im Test

Posted on Okt 30 2011 - 4:38pm by Marc Surlemont

E.Y.E: Divine Cybermancy ist schon seit Ende Juli über Steam erhältlich. Entwickelt wurde es von dem Independent Entwicklerstudio Streum On Studio. Die Mischung aus Ego-Shooter und Rollenspiel gehört (wie Deus Ex) zum Cyberpunkgenre. Ob E.Y.E seine 20€ wert ist oder ob man doch lieber bei den Spielen der “Großen“ bleiben sollte, erfahr ihr hier.

 

Komplex VS. Schwer

In E.Y.E. Divine Cybermancy geht es um eine geheime Fraktion die sich das Secreta Secretorum nennt und einen Staatsstreich gegen die Föderation (die amtierende Regierung im E.Y.E Universum)  ausüben will. Denn die Föderation herrscht mit eiserner Faust und macht den Bewohnern der Föderationsplaneten das Leben schwer. Um die ganze Sache noch etwas Komplizierter zu machen ist das Secreta Secretorum in zwei zerstrittene Fraktionen gespalten, den Jian und den Culter. Im Grunde wollen beide Fraktionen nur das Ende der diktatorischen Föderation, sind sich aber nicht über die danach folgenden Vorgehensweisen einig.

 

 

Der Spieler schlüpft in die Haut eines Mietglieds der E.Y.E genannten Special Einheit des Secreta Secretorums. Euer Mentor ein weiser Kampfmeister von E.Y.E will die Beiden zerstrittenen Fraktionen (Jian und Culter) um jeden Preis wieder einen. Dafür fordert er euch auf die Befehle eures Kommandeurs zu ignorieren. Nun müsst ihr euch entscheiden ob ihr eurem Mentor oder euren befehlen folgen wollt. Dabei bietet euch E.Y.E sehr viele spielerische Freiheiten. Hauptmissionen haben immer mehrere Lösungswege und ihr bekommt immer die Wahl auf welche Seite ihr euch Schlagen wollt. Da jeder Charakter in E.Y.E sterblich ist, spielt vor allem Verrat eine wichtige Rolle im Spiel. Dadurch gewinnt die Story stark an Komplexität und die Spielmechanik tut es ihr gleich.

Die Steuerung ist wie bei einem Ego-Shooter und somit sehr einfach gehalten, was man von den Menüs leider nicht behaupten kann. Die Aktivierung der Fähigkeiten, das Öffnen des Inventars und das Skillen des eigenen Charakters fühlen sich zu Beginn des Spiels sehr umständlich an. Und auch das Crafting wurde mit einer ordentlichen Portion “kompliziert“ entwickelt. Man braucht einige Zeit um sich durch die umständliche Bedienung durch zu Fuchsen. Jedoch hat der Spieler jederzeit die Möglichkeit ein Tutorial Menü zu öffnen in dem die Bedienung des Spiels in Videos hinterlegt ist.

 

 

Deus Ex meets Hellgate

E.Y.E besitzt einen sehr speziellen asiatischen Cyberpunklook, welcher mich vom Design der Level her an einigen Stellen an Cyberpunk Klassiker wie Bladerunner (80ger Jahre Spielfilm mit Harrison Ford) und den ersten Deus Ex Teil erinnert hat. Das Spielprinzip erinnert mich stark an Deus Ex: Human Revolution und das Design der Rüstungen und Charaktere schien mir ein wenig von Hellgate London angehaucht zu sein.

Die Waffen und Fähigkeiten des Spielers gehen zwar eher in die Richtung eines Ego-Shooters, sind aber stark von den Rollenspielelementen (z.B. der Anzahl an Investierten Skillpunkte) abhängig. Somit ist E.Y.E ein sehr ausgeglichener Genremix aus Ego-Shooter und Rollenspiel wie man ihn auch aus Deus Ex schon kennt.

 

 

Shooten statt Looten

Großartig viel einsammeln kann man in E.Y.E nicht gerade. Euer Inventar bietet nur wenig Platz für Waffen und Gadgets. Darum müsst ihr euch an den Ausrüstungsmaschinen immer genau überlegen welche Waffen ihr mitnehmen und welche Rüstung ihr dabei tragen wollt. Es gibt nur drei verschiedene Rüstungstypen die ihr euren Charakter überziehen könnt, die leichte, mittlere und schwere Rüstung. Welche Rüstung ihr tragt entscheidet über Verteidigungswert und Geschwindigkeit eures Charakters.

Auch eure Waffen könnt ihr nur über das Ausrüstungsmenü an den Ausrüstungsmaschinen wechseln. Neue Waffen können nicht freigeschaltet werden indem ihr sie euren gefallen Feinden aus der Tasche zieht sondern indem ihr sie eurem Waffenmeister gegen schwer verdiente Brounzouf (die Währung in E.Y.E) abkauft. Aber nicht nur euer Kontostand sondern auch euer Charakterfortschritt entscheiden welche Waffen ihr euch Kaufen könnt. Gekaufte Waffen und Gadgets stehen euch dann jederzeit an Ausrüstungsmaschinen zur Verfügung.

 

 

Fazit

E.Y.E ist mit Sicherheit kein Blockbustertitel, könnte sich aber trotzdem zu einem Geheimtipp mausern. Zwar ist die Grafik etwas veraltet und das Leveldesign ist etwas karg gehalten, aber der Genremix und das Cyberpunk Setting bieten eine gute Alternative für diejenigen die mit Deus Ex nicht richtig warm werden konnten und für die Grafik nicht alles ist.

Natürlich ist E.Y.E ein sehr aufwendiges und komplexes Spiel, gerade das macht auch den Charme des Spiels aus. E.Y.E ist ein Spiel das, bis auf die Steuerung, in allen Punkten sehr komplex ist. Diese Komplexität harmonisiert aber sehr gut mit dem Ostasiatisch angehauchten Setting, indem die Charaktere von ihrem Verhalten und teilweise auch von ihrer Ausrüstung her stark an die Samurai erinnern. Und wer sich ein bisschen mit ostasiatischer Geschichte auskennt dem sollte aufgefallen sein das die Ostasiaten es gerne Kompliziert mögen.

 

 

Somit ist E.Y.E wirklich nicht was für Jedermann. Fans des Cyberpunkgenres, solche die es gern etwas Komplexer oder ernster haben sowie Freunde des Coop Gameplays, dürfen ruhig mal einen Blick auf E.Y.E: Divine Cybermancy werfen und für 19,99€ (bei Steam) stimmt das Preisleistungsverhältnis trotz der Schwächen des Spiels immer noch. Allerdings sollten Spieler die einen Kauf in Betracht ziehen dem Englisch mächtig sein. Denn E.Y.E: Divine Cybermancy gibt es nur eine Fantasie-Sprache mit Englischen untertiteln. Und auch sämtliche Texte und das Interface sind auf Englisch gehalten.

Tobias Paxian