Orcs must die! getestet: Wider den militanten Grünen

Posted on Okt 15 2011 - 10:40am by Erzengel

Was macht ein durchschnittliches Fantasy-Königreich, wenn es von durchschnittlichen Horden von Wald- und Wiesenmonstern attackiert wird, die durch gewöhnliche Portale in ihre Welt kommen? Richtig, es gründet einen Orden von Wächtern, die sich der Sache annehmen.

Die Portale werden zudem in architektonisch und statisch fragwürdigen Festungen versteckt. Die Wächter bestehen dabei üblicherweise aus den fähigsten Kriegern und Magiern, die besagtes Königreich zu bieten hat. Weise und mutig, haben sie sich ganz der Sache verschrieben und bewachen die Portale mit stoischem Ernst.

 

Hier geht es nicht um einen dieser Leute.

Der Charakter ist zwar ein Mitglied des Ordens der Kriegsmagier, die die Portale bewachen, ist aber ansonsten nicht unbedingt jemand, den man mit einer solch wichtigen Aufgabe betrauen möchte. Oder irgendeiner anderen Aufgabe. Man gewinnt schnell sogar den Eindruck, dass man ihn am besten von scharfen Gegenständen fern hält. Die Story dient aber sowieso nur als Entschuldigung (pardon: Hintergrund) dafür, dass man in Orcs Must Die! massenweise Orcs umbringt. Für das Verstehen des Spiels ist sie eigentlich nicht weiter wichtig.

 

 

Orcs Must Die! vereint dabei Elemente des Tower Defense Genres mit Elementen von Third-Person-Shootern. Tower Defense Games laufen dabei immer in etwa dem gleichen Schema ab: An einem Punkt spawnen Gegner, die einem festen Pfad durch die Karte verfolgen, um zu einem Endpunkt zu gelangen. Aufgabe des Spielers ist es, sie davon abzuhalten. Dazu hat er eine Reihe von Verteidigungsapparaten zur Verfügung. Diese kosten Ressourcen, die durch das Töten von Gegner erzeugt werden. Orcs Must Die! ist in dieser Hinsicht nicht anders, und gibt euch massenweise Fallen zur Hand, um die Orcs auf ihrem Weg durch eine der besagten architektonisch ungewöhnlichen Festungen aufzuhalten. Es macht dabei vollen Gebrauch von der Umgebung in 3D (Tower Defense findet klassischerweise auf einer 2D Karte statt), und erlaubt Fallen auf dem Boden, an den Wänden und an der Decke anzubringen. Um den maximalen Effekt zu erzielen, müssen die Fallen dabei geschickt kombiniert werden – zum Beispiel eine Teergrube vor einer Selbstschussanlage, um die Zeit zu verlängern, in der die Orcs vor besagter Falle stehen.

 

So weit, so herkömmlich.

An dieser Stelle kommt dann der Teil des Spiels, der einem Shooter entlehnt ist hinzu. Der Charakter ist mit einer magischen Armbrust oder wahlweise einem magischen Klingenspeer bewaffnet, mit dem man auch direkt ins Geschehen eingreifen könnt – und das muss man auch, denn die Fallen allein reichen zumindest zu Beginn nicht aus, um die Horde aufzuhalten. Nicht selten steht man selbst als letzte Verteidigungslinie vor dem Rift, durch den die Orcs wollen. Dann ist Zielgenauigkeit gefragt, um sie davon abzuhalten. Außerdem bekommt er im Laufe des Spiels eine Reihe von Zaubersprüchen. Diese sind zwar nicht unbedingt kreativ – Feuerball, Eisregen und Blitzschlag – erlauben es aber, das Spiel nicht nur mit cleverer Platzierung von Fallen zu bestreiten.

 

 

Die größte Stärke von Orcs Must Die! ist wohl die Möglichkeit, sich seinen eigenen Weg zum Ziel zu suchen. Man kann ausgeklügelte Labyrinthe von Fallen entwickeln, durch welche die Orcs marschieren müssen. Oder sich selbst mit Zaubersprüchen und Waffen ins Getümmel stürzen. Oder jede nur erdenkliche Kombination wählen. Ab dem zweiten Kapitel stehen die sogenannten Weaver zur Verfügung, die Upgrades für verschiedene Fähigkeiten und Fallen bieten, womit man sich seinen Spielstil selbst heraussuchen könnt. In der Regel läuft es aber darauf hinaus, dass die Fallen die Gegnermassen dezimieren und man selbst den Ausputzer spielt, der erledigt was eben übrig bleibt.

 

Was in der Theorie recht simpel klingt, ist in der Praxis natürlich nicht ganz so einfach. Je nach Layout der Festung sind einige Missionen selbst auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad verdammt schwer. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad fallen dann die hilfreichen Pausen zwischen den Wellen anstürmender Orcs weg, so dass man ziemlich in Hektik verfällt, um die Verteidigungsanlagen instand zu halten. Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad dabei nie pervers hoch, man weiß bei einer Niederlage meist schnell, was schiefging. Da alle freigespielten Fallen und ihre Upgrades an den Kampagnenfortschritt und nicht an die Map gekoppelt sind, kann man auch später wieder auf eine Map zurückkehren, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Diese sind auch notwendig, denn je besser man abschneidet, desto mehr Schädel bekommt man, mit denen man wiederum Upgrades für die Fallen kauft. Spätestens auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad sind diese auch bitter nötig.

 

 

Wem es gelungen ist, überall die perfekte Punktzahl zu erreichen, muss das Spiel dennoch noch nicht in die Ecke legen. Das Spiel ermöglicht es, die eigene Punktzahl mit der von anderen Spielern auf der Steam-Freundesliste zu vergleichen – so kann man weiterhin wetteifern wer die meisten Orcs in der kürzesten Zeit erledigt.

 

Einziger Kritikpunkt ist, dass man dem Spiel hin und wieder seine Konsolenvergangenheit deutlich anmerkt. So gibt es keine Möglichkeit, die Tastaturbelegung zu ändern und Joysticks werden gerne als Gamepads erkannt – ohne die Möglichkeit, die Steuerung auf Tastaur und Maus umzustellen. Auch die Grafikoptionen sind deutlich spartanischer, als man das von üblichen PC-Spielen gewöhnt ist. Das bedeutet nicht, dass das Spiel schlecht aussieht – im Gegenteil. Aber es ist schwierig(er), es an die Leistung des eigenen Rechners anzupassen.

 

Unter dem Strich schmälern diese Punkte das Gesamtergebnis aber wenig. Orcs Must Die! ist kurzweilig, ohne dabei auf Spieltiefe zu verzichten. Es ist fordernd, ohne unfair zu sein. Es ist witzig, ohne sich dabei lächerlich zu machen. Es ist ein Spiel, das man 20 Minuten oder 2 Stunden spielen kann, ohne das es langweilig wird.  Vielleicht am bezeichnensten ist, dass Orcs Must Die!  den Spieler dazu zu bringen, die gleiche Map freiwillig mehrfach hintereinander zu spielen, ohne dass es dadurch künstlich in die Länge gestreckt scheint. Sieht man sich dazu den Preis an, ist es sein Geld in jedem Fall wert, bietet es doch mehr und bessere Unterhaltung als so manches Vollpreisspiel.

 

 

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Tobias Paxian