Starcraft II – Wings of Liberty im Test: Der Starcraft-Hype: Zwölf Jahre Warten, hat es sich gelohnt?

Posted on Sep 11 2011 - 10:27am by Tarnum

Hunderttausende Menschen fieberten diesem Tag entgegen: Dem 27. Juli 2010. Was? Dem Beginn der Leichtathletik-EM in Barcelona?! Nein, verdammt! Etwas viel wichtigerem! Etwas weltumspannendem! Sie freuten sich auf DAS Game-Ereignis des Jahres.

Der Release von dem Spiel, was das Echtzeit-Strategie-Genre neu definieren sollte; das Spiel, was in Südkorea zum Volkssport mit eigenen Weltmeisterschaften geworden war; das Spiel, was die World of Warcraft-Community mit den Strategiespielern im Battle.net vereinen sollte; das einzig wahre: ‚Starcraft II: Wings of Liberty‘

 

 

Wow. Das muss man sich erst einmal geben. Neun lange Jahre hat die Starcraft-Welt gehofft, gebangt, gezittert, bis am 19. Mai 2007 die Meldung von Blizzard kam: Ja, es wird einen Nachfolger von ‚Starcraft I‘ und ‚Stargcraft: Brood War‘ eben! Dennoch mussten sich all die aufgeregten Zocker noch weitere drei Jahre gedulden, bis ihr Spiel tatsächlich veröffentlicht wurde. Und das mit einem Paukenschlag: Innerhalb von 48 Stunden verkaufte sich ‚Starcraft II: Wings of Liberty‘ mehr als 1,5 Millionen Mal und geht damit als ’sich am schnellsten verkaufte Echtzeit-Strategie-Spiel‘ in die Gamer-Geschichte ein.

Aber nun zum Spiel. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist Starcraft II natürlich ein echter Hingucker. Grafisch hat sich viel getan, da nun dreidimensional gebaut und gekämpft wird. Man hatte ja auch zwölf Jahre Zeit. Die Karten, Einheiten und Technologie-Bilder sind detailreich gearbeitet, das Spiel läuft flüssig und die Animationen sind definitiv hohes Niveau. Ob ein laufender Mutalisk, ein mit der Waffe wedelnder Marine, ein schwebender Dunkler Templer oder der redende Jim Raynor, die Bewegungen wirken rund, stimmig und sehen vor allem super aus. Ohne Frage sind viele Neuerungen dazugekommen, doch auch altbekanntes ist geblieben. So kann man nun seine bewährten Marines mit den neuen Hellions zusammen auf die Reise schicken oder seine Standart-Zerglinge zu explodierenden Berstlingen morphen. Die Mischung aus den ‚alten‘ und den ’neuen‘ Einheiten ist stimmig und bietet dem User viele strategische Möglichkeiten.

 

 

Ein nettes und vor allem strategisches Feature ist auch, dass es nun ‚hohes Gras‘ gibt, worin Einheiten untertauchen können und für den Gegner unsichtbar werden, bis dieser selbst Einheiten in das Gras schickt. Des weiteren gibt es Sichtvorteile für erhöht stehende Kämpfer und den Zel’Naga Wachtturm, der ein begrenztes Gebiet der Karte aufdeckt. Und einen großen Nachteil des ‚Starcraft I‘ hat man ausgebessert: Man kann nun beliebig viele Einheiten anwählen, und nicht nur maximal acht. Fazit: Grafisch und Gameplay-technisch wie erwartet überragend.

Das Spielprinzip ist im Großen natürlich erhalten geblieben, doch auch hier gibt es Neues: Waren in den Kampagnen von ‚Starcraft I‘ noch alle drei Völker spielbar, so gibt es in ‚Wings of Liberty‘ nur noch ein Volk, dessen Geschichte man erlebt: Die Menschen, oder besser: Die Terraner. Auch wenn das, meiner Meinung nach, keine Verbesserung ist, kann ich doch sagen, dass die Missionen abwechslungsreich gestaltet sind und nicht immer Armee Pumpen und Draufhauen zum Erfolg führt. ‚Starcraft II‘ verdient die Bezeichnung Strategie-Spiel. Die Storyline erzählt die Geschichte von Jim Raynor aus ‚Starcraft I‘ weiter und fängt praktisch genau dort an, wo der erste Teil aufhörte. Die Charaktere innerhalb der Cutscenes sind ganz gut animiert, doch am stärksten beeindruckt wohl der Hauch von Rollenspiel.

 

 

Nicht länger ist man ein Spieler, der seine Instruktionen von einem Bildschirm im Bildschirm bekommt und gelegentlich von Videosequenzen unterbrochen wird, sondern man hat im Point-and-Klick-Adventure-Stil mehrere Räume auf Jim Raynors Raumschiff, in denen man vielerlei Dinge aktivieren und damit teilweise direkt auf die Missionen einwirken kann. Außerdem werden im Verlauf der Gespräche ein ums andere Mal Entscheidungen vom User verlangt, die immer ihre Vor- und Nachteile mit sich ziehen. Zwar mag man den Weg der Geschichte nicht verlassen können, doch man kann durchaus die ein oder andere Abzweigung nehmen.

Doch wie angedeutet: Man merkt zu Weilen deutlich, dass es kein bis ins kleinste Detail animiertes und herausgeputztes Rollenspiel ist, da in den Cutscenes so manches Mal ein wenig grob animierte Bewegungen auffallen, doch damit haben selbst Rollenspiel-Riesen heute noch zu kämpfen. Und ‚Starcraft II‘ hatte nie den Anspruch, eines zu sein. Was die SCII-Community natürlich am meisten interessierte, war der Multiplayer. Via Battle.net können sich Spieler einer Region miteinander messen, mit den WoWlern chatten und sich in dem Ladder-System von Blizzard ihre Platzierung in der Welt ansehen. Neben Bronze-, Silber-, Gold- und Platin-Liga können sich die Besten der Besten im One on One in der Meister- und Großmeister-Liga verewigen. Da ‚Starcraft II‘ geradewegs auf den E-Sport, also auf Wettkämpfe mehrerer User übers Internet, ausgelegt ist, überrascht es nicht, dass der Multiplayer meist tadellos funktioniert, obwohl hunderttausend Spieler gleichzeitig zocken.

Als Kritikpunkt muss man natürlich anführen, dass es keinen LAN-tauglichen Modus mehr gibt, was bedeutet, dass ‚Starcraft II‘, sollte man es gegen andere User spielen wollen, immer einen Internetzugang braucht. Wenn wir gerade bei Kritik sind: Gibt es an diesem Spiel etwas zu kritisieren? Vielleicht ein bisschen: In den Anfängen von ‚Wings of Liberty‘ wurde eine Chat-Funktion vermisst, doch durch die Patches wurde dieses Feature schnell hinzugefügt. Kleine Feinheiten wurden gebalanced, auch wenn von einigen Spielern noch immer Nerfs gefordert werden. Besonders kritisch stand die Community Blizzards neuer Vorgehensweise bezüglich der Spielerdaten oder den Käuferrechten gegenüber. So ist es Blizzard durch die Benutzerbestimmungen – die man ja annehmen muss, wenn man spielen will – gestattet, die Daten eines Users an Dritte weiterzugeben, was zu Protesten führte.

 

 

Fazit: Hat sich das Warten gelohnt? Ist ‚Starcraft II: Wings of Liberty‘ der Spiele-Hammer? Ehrlich? Für Pro-Gamer und Fans von ‚Starcraft I‘ ist es DAS Spiel. Der Oberhammer in Sachen Strategie-Spiel und E-Sport-Challenge. Die exakte Umsetzung dessen, was sie sich von dem Nachfolger ihres Lieblingsspiels erhofft hatten. Ja, das Warten hat sich mehr als gelohnt! Und für uns? Für die Casual-Zocker? Für Otto Normalverbraucher? Meine Meinung ist: Starcraft II sieht herrlich aus, spielt sich super und rockt einfach. Aber als Noob in die Internetschlachten der Ligen eintauchen? Ganz schwierig. Besonders, wenn man kein Internet hat. Denn genau dafür wurde es doch entwickelt. Folglich geht uns da vielleicht auch ein großer Teil der Spielidee verloren. Ist es dann, nur zum Kampagnen Durchzocken, eine Anschaffung wert? Ja, ist es. Wenn ihr es nicht für fünfzig Euro kauft. Wartet ein bisschen ab, dann wird es auch für uns erschwinglich. Immerhin haben wir ja auch zwölf Jahre warten können.

 

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Tobias Paxian