Kennt ihr noch?: Pokémon Blau/Rot

Posted on Sep 7 2011 - 6:19pm by Tarnum

Wenn wir in unseren Games-Schrank gucken und uns mal wieder fragen, welches Spiel wir heute zocken wollen, fallen uns bestimmt einige der folgenden ein: Uncharted, The Witcher, Fifa 12, Assassins Creed 2, League of Legends, Starcraft 2. Warum? Sie sehen unheimlich gut aus, fordern den Pro-Gamer wie auch den Casual-Zocker in uns, sind meist mit Liebe zum Detail entwickelt und mit richtig witzigen Gimmicks ausgestattet. Gamer-Herz, was willst du mehr?

Nun, vielleicht eines: Nostalgie. Die heutige Spiele-Branche, getrimmt auf Grafik und Gameplay, mag zwar immer besser aussehen, aber immer in Erinnerung bleiben uns unsere ersten Spiele: Super Mario, Tetris, Monkey Island. Und vielleicht auch dieses: Kennt ihr noch Pokémon Blau/Rot für den Nintendo GameBoy?

 

 

Das Spiel wurde von Satoshi Tajiri erfunden, der später die Firma ‚Game Freak‘ gründete und zusammen mit dem Entwicklerstudio Creatures Inc. und dem anfänglich skeptischen Publisher Nintendo 1996 in Japan und dann 1999 schließlich bei uns die aller erste ‚Pokémon-Edition‘ veröffentlichte. Heute ist ‚Pokémon‘ eines der wichtigsten Franchises von Nintendo. Denn aus dem kleinen Spiel wurde ein riesiger Hype. Mittlerweile gibt es über 350 verschiedene Monster und mit fast jeder neuen Edition (wir sind bereits bei der fünften Serie), kommen neue dazu. Kein Wunder, dass nach der Mario-Generation eine neue von einem Spiel geprägte Kinderschar aufwuchs: Die Genration Pokémon. Übrigens: Selbst meine Mutter kann mit „Pikachu“ etwas anfangen!

 

Die Spielidee selbst ist eher einfach:

Der Spieler lebt in einer Welt, die von Menschen aber auch von kleinen Wesen, die man ‚Pokémon‘ nennt, bevölkert ist. Diese Wesen sind wild, doch kann man sie fangen, trainieren und mit ihnen Kämpfe gegen andere Pokémon austragen. Nach einer kurzen Einführung, wird man direkt vor eine folgenschwere Wahl gestellt: Welches Pokémon wird dein erstes sein? Bisasam, die Natur; Schiggy, das Wasser oder Glumanda, das Feuer. Eine (Achtung: Wortwitz!) elementare Wahl, denn die anderen beiden wird man in diesem Durchgang niemals wieder fangen können.

Jedes Pokémon hat ein eigenes Wesen, mit Attacken, Statuswerten und Entwicklungen, und selbst gleiche Monster haben unterschiedliche Werte. Ein Feature, was jeden Neuanfang des Spiels zu einer neuen Herausforderung, aber gleichzeitig das Löschen des alten Spielstandes so unglaublich schwer macht. Die Storyline ist mehr als geradlinig, da man einen bestimmten Weg gehen muss, um das vorgeschobene Spielziel zu erreichen: In acht Orten acht Arenaleiter herausfordern, um deren Orden zu gewinnen. Hat man endlich alle acht Orden, erklimmt man die Siegesstraße und trifft letztendlich auf die TOP Vier, die vier mächtigsten Pokétrainer, und den amtierenden Champ. Man besiegt sie, freut sich einen Keks und merkt, dass das Spiel noch gar nicht vorbei ist. Denn jetzt schlägt der Sammeltrieb und damit das eigentliche Spielziel zu. Es gibt 150 bzw. 151 Pokémon zu fangen. Wäre doch gelacht, wenn man das nicht schafft! Und so sammelt und trainiert man fröhlich weiter, ungeachtet der Tatsache, dass es niemanden mehr gibt, der stärker ist als man selbst. Ungeachtet der Tatsache, dass das Spiel eben doch vorbei ist.

 

 

Als Trainer von kleinen Wesen durch die Welt streifen, um der Pokémon-Meister zu werden. Der Traum so vieler Kinder nahm in diesem Spiel Gestalt an, viele wünschten sich nichts sehnlicher, als dass diese Welt für sie real werden würde. Freunde finden, Kämpfe austragen, ein Stück Fantasy erleben. Denn eines muss man dem Spiel lassen: Auch wenn es grafisch aus heutiger Sicht selbst für eine Handheld-Konsole unterirdisch ist, es hatte zwei Suchtfaktoren: Den Sammeltrieb, da es einen ganzen Haufen von diesen knautschigen Dingern gab, und Magic-Moments. Das erste Zusammentreffen mit den TOP Vier, der Kampf mit Mewtwo oder auch nur die letzte Entwicklung des eigenen Anfangsgefährten. Gänsehaut pur für uns junge Zocker. Denn auch für mich war ein großer Magic-Moment meiner Spiele-Geschichte der, als ich nach vielen Spielstunden und langer Abwesenheit als Champ in mein Heimatdorf zurückkehrte und das lang vergessene Theme erklang, was für mich immer den Anfang meiner Reise symbolisiert hat.

Bei all dem Lob und der Beweihräucherung sollten wir jedoch auch mal die Nostalgie-Brille abnehmen und Kritik anmerken: Denn auch bei diesem Spiel gab es Macken. So konnte man beispielsweise sämtliche Trainer auf dem Weg zu einer Stadt nur ein Mal bekämpfen, musste für manche Pokémon ein weiteres Spiel, einen weiteren GameBoy und ein Link-Cable besitzten (oder einen Freund/Bruder haben) und konnte in den Anfängen nur als Junge spielen. Viele Dinge haben sich im Laufe der Editionen verändert, doch geblieben ist, dass man mit einem Kumpel oder eben zwei Spielen einfach besser dran ist. Aber mein absolut größter Kritikpunkt an diesem, doch so wunderbaren, Spiel folgt:

Wenn man es, mit Mühen und Strapazen, endlich geschafft hatte, alle einhundertfünfzig Pokémon zu besitzen, von Mew ganz zu schweigen, passierte: NICHTS! Nagut, man konnte sich eine Urkunde in irgendeiner Stadt in irgendeinem Haus ansehen, aber man hat sie nicht einmal geschenkt bekommen! Ich meine: Hallo?! Ich habe alles geschafft, bin Pokémeister und habe alle der kleinen, fiesen Monster im Pokédex und weiter? Der einzige Abspann, den man im Spiel je zu sehen bekommt, ist der nach dem Kampf gegen den Champ. Ein minutenlanger Abspann, der einem vor Augen führt, was man alles erreicht hat. Und nach der Vervollständigung des Pokédex kommt nichts? Wtf, Nintendo?!

 

Kurz und knapp:

Das Spiel war für damalige Verhältnisse der Oberhammer. Grafik und Spielidee waren etwas neues, unkonventionelles und übten dadurch eine gewaltige, heute noch anhaltende Faszination aus. Stundenlang konnte ich in ein und demselben Feld herumlaufen, immer wiederkehrende Gegner-Monster verdreschen, nur damit mein Liebling das nächste Level erreichte. Kann ein heutiges Rollenspiel, und sei es eine Marke wie ‚The Elder Scroll‘ oder ‚Dragon Age‘ da mithalten? Vielleicht, Dank seiner gigantischen Grafik und seiner durchdachten Storyline (wenn es eine gibt). Dennoch wird ‚Pokémon‘ immer eines der besten Spiele sein, die ich je gezockt habe.

 

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Tobias Paxian

1 Comment so far. Feel free to join this conversation.

  1. ronnieeuda 8. September 2011 at 13:22 -

    Ja, „The Elder Scrolls“ kann da sehr wohl mithalten – oder wer steht beim alleinigen Aussprechen von „Morrowind“ nicht still und kerzengerade da und beginnt zu hecheln, als seien wir gerade einen Marathon gelaufen? Aber du hast Recht. Beim Gedanken an Pokemon könnte ich weinen. Wie wir alle immer auf dem Pausenhof rumstanden, EINER hatte einen Gameboy, EINER hatte Pokemon und ALLE 200 Schüler standen um ihn rum. Und jeder wollte das auch haben. Sowas gibts heutzutage nicht mehr. They don’t make games like this anymore.
    (Ich verweise hier auch auf den „Kennt ihr noch: Age Of Empires 1, in dem ich nostalgischen ausfallend meine Euphorie für das Spiel darlege). Großartig. Und ich habe in dem Text ganz viel Liebe gespürt, so solls sein – jawohl Chef!

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