Ich reise in die Dunkle Welt der Spielsucht

Posted on Aug 31 2011 - 8:13am by elferahs

Die Bildzeitung berichtete gestern über Ryan van Cleave. Ein Autor der in seinem Buch seine Spielsucht beschreibt und wie es dazu kam.

60h wöchentlich hat er vor dem PC verbracht. In „World of Warcraft“. Er hat seine Arbeit vernachlässigt und seine Ehefrau samt seinen 2 Kindern. Das Essen fand nicht am Esstisch statt sondern da wo der PC steht.  Er flüchtete vor dem Realen Leben. Denn er fühlte sich wohl in “ WOW“.  Als seine Frau drohte ihn zu verlassen, weil er auch seinen Job verloren hatte, wollte er seinem Leben in der Realität ein Ende setzten. Er entschied sich aber um und beendete sein virtuelles Leben das er primär gelebt hat.

 

Immer wieder lesen wir solche Artikel und die Menschheit glaubt diesen auch noch. Solche speziellen Fälle gibt es sehr wohl, das mag keiner bestreiten. Aber dass wir WOWler oder Gamer allgemein eigentlich auch nur normale Menschen sind erkennt keiner. Egal ob wir das spielen oder andere Spiele, wir bleiben alle „Suchtis“.

Ich selber spiele WOW seit 3 Jahren. Und an manchen Tagen auch nicht wenig. Denn es gibt viel zu erleben in dieser fantasiereichen Welt. Ich habe nun 5 Charaktere auf der Mindeststufe 85 und ich habe sehr viele „Bekannte“ in dieser Welt. Ich unterhalte mich oft mehrere Stunden mit ihnen im Teamspeak und plaudere welche Erfolge wir noch machen können, welche Items uns noch fehlen oder ob wir uns nicht wieder ein neuen Char hochleveln möchten.

Aber wir reden auch darüber wie unser Tag so war. Was wir gemacht haben, wie es uns geht. Wir hören uns die RL – Reallife – Probleme der anderen an und uns wird zugehört. Natürlich reichen uns diese „sozialen“ Kontakte nicht. Wir gehen auch ab und an Feiern und treffen uns mit Freunden! Wir gehen doch tatsächlich auch arbeiten. Ja so etwas gibt es. Kaum zu glauben für manche Menschen die uns nicht kennen.

Wenn ich mal paar Tage keine Lust auf WOW hatte und ich ein Buch interessant war und das innerhalb von 2 Tagen vernichtet hab, hat KEINER gesagt “ oh man du Suchti“! Wenn ich dann vor lauter Euphorie gleich das nächste Buch haben wollte das evtl. auch so interessant sein könnte fehlten auch diese Worte. Wenn ich Harry Potter angesehen habe, und die darauf folgenden 2 Tage meinte ich müsste gleich alle Teile auf einmal ansehen ohne was anderes zu tun, sagte auch keiner “ wie kann man das nur tun, du bist ja süchtig“. Ich könnte das auch jeden abend machen ohne das irgendwer sagen würde das es too much wär. Jeden Abend die Serien im Fernsehen durchkauen inklusive Wiederholungen. Alles total normal in dieser Welt! In der Realen Welt wohlbemerkt!

Als ich Volleyball gespielt hab fand es keiner ärgerlich oder komisch oder Suchtmäßig wenn ich gesagt habe, ich kann heute nicht mit dir weggehen, ich hab ein wichtiges Spiel. Wenn ich jetzt sage ich habe einen wichtigen Raid, wird das gleich negativ abgestempelt.

Ich könnte noch so unzählige Beispiele liefern die aussagen das wir „Zocker“ nicht normal sind und wiederum so unzählige dafür das wir es doch sind.

Fakt ist das es egal was wir tun immer wieder Leute geben wird die anders sind wie wir. Eben extremer, wie z.B. dieser Autor. Und es ist wichtig darüber nachzudenken ob wir zu denen gehören die alles im Griff haben oder zu denen die es nicht im Griff haben. Und das zählt nicht nur für World of Warcraft, andere Spiele sondern noch bei so vielem mehr.

Ich werde weiterhin Tag für Tag auf meine Virtuelle Welt zurückgreifen, und wenn es nur ist um die Leute dort zu fragen wie es ihnen geht!

Tobias Paxian