DotA 2 in der Vorschau

Posted on Aug 26 2011 - 6:00pm by Erzengel

Es gibt wenige Spiele, die von sich behaupten können, sie hätten ein ganzes Genre geschaffen. Es gibt noch weniger Mods, die von sich behaupten können, sie hätten ein ganzes Genre vollwertiger Spiele geschaffen. Die Warcraft III Map Defense of the Ancients ist vielleicht sogar die einzige, die das kann.

Man tut sich schwer, diesem Genre einen echten Namen zu geben. Oft wird einfach von einem „Dota-Klon“, oder im englischen von einem „dota-like“ gesprochen. Offiziell werden Spiele wie Heroes of Newerth und League of Legends von ihren Entwicklern als „Action-RTS“ oder „Multiplayer Online Battle Arena“ bezeichnet, aber diese Bezeichnungen finden sich außerhalb von Pressemeldungen nur selten wieder. DotA ist der Goldstandard des Genres, dass nun einmal seinen Namen trägt.

Das Spielprinzip von DotA ist leicht zu beschreiben: Zwei Teams von je 5 Spielern treffen sich auf einer Map, wobei jeder Spieler einen einzelnen Helden steuert – über 100 stehen dabei zur Auswahl. Ziel des Spieles ist es, die Basis des Gegners einzuäschern. Dazu muss der eigene Held aufsteigen, in dem er automatisch spawnende Einheiten – sogenannte Creeps – oder eben gegnerische Spieler besiegt. Dafür bekommt er Gold und Erfahrung, die er in Items und – bei Levelaufstieg – in bessere Fähigkeiten investiert.

Diese Beschreibung tut aber DotA ein wenig Unrecht, genau wie man Fussball zwar als ein Spiel bezeichnen kann, bei dem 22 Spieler einen Ball mit den Füßen ins Tor des Gegners zu befördern versuchen, damit aber die Sportart nur ungenau wiedergibt. Ab einem gewissen Level wird auch DotA zu einem hochkomplexen Spiel, bei dem es darum geht, den eigenen Helden optimal auszurüsten, zu spielen und ihn nahtlos in das eigene Team einzufügen. Wohl auch gerade deswegen ist DotA in einigen Gegenden der Welt – vor allem in Asien – weniger ein Spiel als vielmehr eine Sportart, bei der Teams durchaus für mehrere Millionen Euro den Besitzer wechseln. Livestreams von Spielen haben zum Teil Zuschauerzahlen im Millionenbereich.

DotA 2 ist dabei weniger ein Nachfolger der alten Map, als vielmehr ein getreues Remake mit der moderneren Source-Engine. Während League of Legends das Spielprinzip etwas vereinfacht hat, um damit eine breitere Schicht an Spielern anzulocken (und damit sehr erfolgreich ist), hat DotA 2 nichts wesentliches am Spielprinzip verändert. Lediglich Dinge, die durch die veraltete Warcraft III Engine nicht anders möglich waren, wurden angepasst.

Vielmehr konzentriert sich Entwickler Valve darauf, den Einstieg für Anfänger zu erleichtern. Das ist auch bitter nötig, denn die Haltung der DotA- Community in dieser Hinsicht ist legendär – legendär schlecht, wohlgemerkt. Aufgrund der angesprochenen hohen Komplexität ist es für Neulinge faktisch unmöglich, auch nur im Ansatz mit den Veteranen mithalten zu können. Da das Spiel aber davon abhängt, dass alle Spieler ihre Rolle möglichst perfekt beherrschen, sind Anfänger in der Regel nicht gern gesehen – oft spielen erfahrenere Spieler lieber in Unterzahl, als jemanden ohne ausreichende Erfahrung dabei zu haben.

Neben einem robusten Matchmaking setzt Valve daher auf ein ausgeklügeltes Coaching-System, bei dem erfahrene Spieler Neulingen beistehen. Dazu sehen sie das Spiel aus der gleichen Perspektive wie ihr Schützling und können ihm (hoffentlich) wertvolle Hinweise zum Spielgeschehen geben. Hinzu kommen umfangreiche Hilfetexte zu Items, Helden und Fähigkeiten im Spiel selbst, welche die steile Lernkurve etwas abmildern sollen.

Unklar ist im Moment allerdings noch, ob Valve bei DotA 2 auf ein herkömmliches Verkaufsmodell oder auf free 2 play setzen wird. Die beiden größten Konkurrenten (neben dem Original, das natürlich völlig kostenlos ist und nur Warcraft III erfordert), Heroes of Newerth und League of Legends, sind beide free 2 play. Valve-Chef Gabe Newell hat free 2 play ausdrücklich nicht ausgeschlossen – das Finanzierungskonzept sei noch nicht entschieden, man konzentriere sich erst einmal darauf, ein gutes Spiel zu machen.

Für DotA 2 sind sowohl eine geschlossene als auch eine offene Beta angekündigt. Die Anmeldung zur geschlossenen Beta findet ihr hier. Wer sonst einen Blick auf das Spiel werfen möchte, findet hier die Replays des gamescom-Turniers „The International“, bei dem um eine Million Dollar gespielt wurde. Einen Release-Termin gibt es noch nicht, das Spiel wird aber aller Voraussicht nach nicht mehr 2011 erscheinen – aber macht das bei einer offenen Beta eigentlich einen Unterschied?

 

Tobias Paxian