Kennt ihr noch?: Desperados: Wanted Dead or Alive

Posted on Aug 11 2011 - 4:13pm by Marc Surlemont

2001 waren John Cooper und seine Gruppe von Desperados ganz schön Wanted und dass Dead or Alive. Desperados war das klischeehafteste Westernspiel, das ich je zu Gesicht bekommen habe und zu gleich auch das Beste.

Es war als hätte man alle guten Western der letzten 50 Jahre in eine Schüssel gepackt, sie kräftig umgerührt, in der heißen Wüstensonne auf 40° gebrutzelt  und heraus kommt: Eines der besten Echtzeit-Strategiespiele aller Zeiten mit einem heißen Wildwestsetting in dem jedes Level, jeder Charakter, ja sogar jedes Wort eine Omasch an den Western ist.

 

Wanted Dead or Alive

Die Story von Desperados dreht sich um eine Gruppe Outlaws die unter der Führung von Kopfgeldjäger John Cooper den Kopf einer mächtigen Verbrecherbande fassen müssen. Zu Beginn des Spiels ist Cooper noch alleine unterwegs und versucht eine Truppe auf zu stellen die ihm bei seiner Jagt auf El Diabolo zur Seite stehen kann. Dies erweist sich jedoch Schwerer als gedacht, denn alle Freunde die Cooper für sich Rekrutieren will haben ziemlichen Dreck am Stecken. Und so gut wie immer kommt es zu heftigen Schusswechseln. Da es in jeder Stadt die Cooper betritt mächtig nach Ärger stinkt hat der Spieler immer alle Hand voll zu tun. Teilweise können die Level einem auch echtes Kopfzerbrechen bereiten. Man befindet sich zwar im wilden Westen, aber wer sich blindlings in eine Schießerei stürzt, der kommt nicht sehr weit. Als Spieler muss man sich immer einen klaren Plan seiner Vorgehensweise machen, wenn man überleben will. Oftmals kommt man auch nur durch Versuch und Irrtum weiter. Z.B. gibt es ein Level in denen der Spieler niemanden Töten darf, in dem man sich über jeden seiner Schritte Gedanken machen muss, da die Anzahl der Möglichkeiten durch das Waffenverbot ziemlich begrenzt ist. Doch das Spiel motiviert einen immer wieder auf neue, denn wenn man dann ein schwieriges Level endlich geschafft hat ist man stolz wie ein Schneekönig und möchte sich weiter mit dem Spiel Messen. Man könnte sagen dass Desperados das Sudoku unter den Wildwestspielen ist.

 

 

Ich brauche Gegner keine Opfer!!!

Das Setting von Desperados war eines der besten Westernsettings das ich je gesehen habe. Und Natürlich entsprachen auch die Hauptcharaktere den guten alten Wildwest-Klischees:

John Copper ist ein Messer werfender, Lasso schwingender, Revolverheld mit der deutschen Synchronstimme von Bruce Willis,

Samuel Williams ist ein schwarzer Feldarbeiter der mit Sprengstoff, Gatling-Guns, Schlangen und seiner Winchester für die Rechte der Schwarzen kämpft,

Doc McCoy ist ein Arzt der mit seinen Gifttränken, dem Sniper und seinem düsteren schwarzem Outfit lieber Totengräber geworden wäre,

Kate O’Hara ist eine pokerspielende Schönheit, die gern auch mal ein bisschen Haut zeigt um Gegner in Schussweite ihrer Dillinger-Pistole zu locken und ihnen bei Bedarf auch mal in die Weichteile treten zu können,

Sanchez ist ein steinwerfender Gatling-Gun herumtragender Mexikaner der seinen Tequila gefüllten Flachmann fast noch mehr lieb als seine doppelläufige abgesägte Schrotflinte und dem die Rolle des faulen Mexikaners mit großem Sombrero der in der Sonne ein Nickerchen macht, im Blut liegt,

Mia Yung ist eine kleine Asiatin die nicht nur Wäsche waschen sondern ihre Gegner auch mit Giftpfeilen betäuben kann, gerne stiftet sich mal mit Mr. Leonie ihrem Äffchen ein bisschen Verwirrung und bei Bedarf wirft sie ihren Gegnern ein paar Blendknaller vor die Füße.

 

 

Im Laufe des Spiels räumt diese bunt zusammengewürfelte Gruppe von Outlaws auf ihrer Suche nach El Diabolo dem Anführer einer berüchtigten Verbrecherbande, ganz schön auf im wilden Westen. Dabei hat natürlich jeder der Sechs immer einen passenden Wildwestspruch im Repertoire und die Dialoge zwischen den einzelnen Hauptcharakteren sind nicht nur knallharte Wortwechsel wo es darum geht wer den schnellsten Colt hat, sondern auch Teilweise sehr Humorvoll gestaltet. Generell hat Desperados auch sehr satirische Züge aufzuweisen. Auch ein paar witzige Easter Eggs hat das Spiel zu bieten, z.B. gibt es eine Stelle in Doc McCoys Tutorial-Level in der er, wenn der Spieler ihn seine Vogelscheuche auf seinem Bootssteg abstellen lässt, mit Hilfe der Macht ein versunkenes Ruderboot wieder heraufholt. Dafür bekommt er dann von John Cooper die lobenden Worte: “Die Macht immer noch mit dir ist junger McCoy“. Woran man erkennt dass das Spiel sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Und wenn dann noch die insgesamt 25 Level nach namenhaften Western wie “Eine Hand voll Dollar“ oder “Für ein paar Dollar mehr“ benannt sind merkt man als Spieler schnell dass das Setting zwar das eines ernsten Westerns ist, das Spiel selbst, sich aber kein Stück ernst nimmt.

 

 

Fazit

Die Grafik und Engine von Desperados sind mittlerweile ganz schön in die Jahre gekommen. Das Wildwestsetting ist aber grade in Zeiten wo selbst in Sci-Fi Shootern Wildwestelemente enthalten sind, eine gute Besinnung darauf wo der Western herkommt und warum der wilde Westen eigentlich so cool ist. Und ich kann jedem Wildwestfan der ein bisschen was von Taktik versteht nur Raten nochmal einen Blick drauf zu werfen.

 

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Desperados

Tobias Paxian

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