Kennt ihr noch?: Die ersten beiden Gothic Teile

Posted on Aug 9 2011 - 5:25pm by Marc Surlemont

Lange bevor Piranha Bytes bei Gothic 3 Mist gebaut haben, Jowood sie samt Lizenz verlassen und den verbliebenen Fans (dank Spellbound) mit Gothic 4 mächtig ins Gesicht getreten hat und lange bevor Piranha Bytes mit Risen (und ohne Jowood) einen Treffer landen konnte, gab es zwei Spiele namens Gothic und Gothic 2 (Gothic 2 Addon: Die Nacht Des Raben).

In diesen Spielen ging es um einen namenlosen Helden der im 1. Teil aus einer Strafkolonie ausbrach und im 2. Drachentöten ging.

 

My Name is…

Die Geschichte von Gothic dreht sich um einen namenlosen Helden, der als Gefangener in die Strafkolonie der Insel Khorinis hineingeworfen wird. Die Kolonie wird von einer riesigen Barriere geschützt, die nur von außen passierbar ist. Somit ist die Barriere so etwas wie die Gitterstäbe der Strafgefangen. Vor der Barriere war die Strafkolonie, ein Minen Tal in dem König Rhobar II. die Gefangen seine Landes magisches Erz schürfen lies, um Waffen für seinen Krieg gegen den Orks herstellen zu können. Um das Tal zu schützen, beauftragte Rhobar 12 mächtige Magier mit der Errichtung einer magische Barriere um seine kostbaren Minen herum, damit den Gefangen eine Flucht unmöglich sein würde. Doch dieser Plan lief schrecklich schief und die Magier verloren beim Errichten der Barriere die Kontrolle und wurden zusammen mit dem gesamten Minen Tal (eine Fläche von etwa 2 km²), von ihr verschluckt. Während ihre Wachen durch das plötzliche Auftauchen der Barriere vollkommen unachtsam waren, starteten die Gefangenen erfolgreich eine Revolte. Da nun die Strafgefangenen der Barriere die Kontrolle über das Minen Tal hatten, war der König dazu gezwungen mit Gomez dem ehemaligen Strafgefangenen und neuen Herrscher über das Minen Tal zu Verhandeln. Seit dem findet jeden Tag am Rande der Barriere ein Austausch statt. Gomez wird alles gewährt was er vom König verlangt und der König bekommt das dringen benötigte magische Erz (leblose Materialien können die Barriere in beide Richtungen durchqueren). Außerdem werden Tag für Tag weitere Strafgefangene durch die Barriere geworfen.

Und an diesem Punkt wird auch unser Held ins “Rampenlicht“ geworfen, denn auch er ist einer der unzähligen Gefangen die durch die Barriere geworfen werden. Bevor er jedoch in die Barriere geworfen wurde, gab ihm der Erzmagier der Insel Khorinis einen Brief, welcher an einen der ebenfalls in der Barriere gefangenen Feuermagier gerichtet war. Von Anfang an war er anders als alle anderen, von diesem Moment an bestimmte sich sein Schicksal. Denn was unseren namenlosen Held ausmacht ist, dass er mit den Geschehnissen und seinem Schicksal als Retter der Menschheit, eigentlich nichts zu tun haben wollte. Er wurde praktisch durch Zufall immer wieder in diese Weltuntergangsgeschichten verwickelt. In Gothic 2 muss er dann sogar gegen Drachen kämpfen, worauf unser namenloser Held nun gar keine Lust hat und dies an seiner grimmigen Art wiederspiegelt.

Der Protagonist hat immer einen witzigen Spruch auf Lager und ist auch kein Typ für nette Gespräche. Er ist eher jemand der leicht zu Nerven ist, was daher kommen mag, dass er eigentlich auch keinen “Bock“ hätte die Welt zu retten, ginge es nicht auch um sein eigenes Leben.

Und der Running Gag der Gothc Spiele ist, immer wenn der Held einer Person seinen Namen nennen will, bekommt er immer nur kalt zur Antwort: “Dein Name tut jetzt nichts zur Sache“. So kennt bis heute kein Spieler den Namen des Protagonisten von Gothic.

“Ein kleiner Windstoß und er wäre von alleine Umgefallen“

Das Kampfsystem von Gothic und Gothic 2 war eines der ersten echtzeitbasierenden Kampfsysteme in der Third-Person Ansicht. Viel konnte man damals nicht machen. Mit STRG wurde ein Gegner fest anvisiert, sodass kein nebenstehender Treffer erleiden konnte und mit der nach  vorne zeigenden Pfeiltaste wurde ein Angriff ausgeführt und mit der nach hinten zeigenden Pfeiltaste konnten hiebe durch Nahkampfwaffen geblockt werden. Das Blocken funktionierte im ersten Teil noch nicht so wirklich, man musste den Block auf die Sekunde genau abpassen um einen Treffer verhindern zu können. Das Angreifen bestand im Grunde auch nur aus plumpem Button Mashing, aber mit dem erlernen verbesserter Kampftechniken, wurden die Angriff etwas flüssiger vom Protagonisten ausgeführt, was die Kämpfe wesentlich erleichtert hat. In Gothic 2 ist das Kampfsystem ein wenig überarbeitet worden und auch das Balancing zwischen den Zauber- und Nah- sowie Fernkampfschaden wurde erheblich verbessert. Auch die Schläge die der Protagonist bei einem Nahkampfangriff ausführen konnte hatten sich verbessert. Neben dem Standardangriff konnte der Spieler nun auch einen linken sowie rechten Seitenhieb ausführen. Blocken lag nun auch im Bereich des Möglichen, fand in den Kämpfen aber nur sekundär Verwendung.

Was von Anfang an gut Funktioniert hatte, waren die Kommentare der Umstehenden NPCs. War der Protagonist in der Nähe von NPCs in einen Kampf verwickelt, so waren im Hintergrund knallharte Sprüche wie: “Immer feste drauf“, “Ein kleiner Windstoß und der wäre von alleine Umgefallen“ und “Es wird nichts so heiß gegessen wies gekocht wird“, keine Seltenheit. Überhaupt wirkten die drei verfeindeten Lager in Gothic und die Stadt Khorinis in Gothic 2, immer sehr lebendig. Die NPCs in Gothic unterhielten sich untereinander und hatten immer etwas zu Tun. Ob sie nun durch das Lager/die Stadt liefen um von einem Gespräch zum nächsten zu kommen oder sie Arbeiten wie das Sägen eines Holzblocks und das Braten einer Fleischwanze in der Pfanne, jeder NPC hatte seinen eigenen festgelegten Tagesablauf.

Jeder Tag ein Wandertag

Lauffaul durfte der Protagonist aber nicht sein, da es in Gothic keine Pferde gab musste der Held die offene Welt, immer zu Fuß erkunden. Dabei kam es oft vor, dass er von A nach B zurück nach A nach C über B und zurück nach C rennen musste um bei A wieder etwas abzuholen das nach B gebracht werden musste. Im ersten Teil hielt sich die rum Rennerei noch in Grenzen, aber in Gothic 2 musste man schon wirklich Koordiniert spielen können, wenn man nicht Ständig hin und her laufen wollte. Überhaupt verlangte Gothic dem Spieler sehr viel Planung und Taktik ab. Bei manchen Gegnern besaß man noch nicht genügend Stärke um sie besiegen zu können, aber ein gewiefter Spieler konnte mit der richtigen Kombination aus Zaubersprüchen, der Umgebung, seinen Fähigkeiten und wenn er etwas Glück hatte, jeden seiner Gegner zu Fall bringen.

Fazit

Auch noch heute, zehn Jahre nach dem Release des ersten Gothic Spiels, sind Gothic und Gothic 2 verdammt gute Spiele. Zwar waren auch die ersten beiden Gothic Teile schon ziemlich Bugverseucht, aber nicht in dem Ausmaße wie er in Gothic 3 zu finden ist. Steuerung und Grafik sind auch schon längst zu Relikten einer vergessenen Zeit geworden, aber dafür bieten Gothic und Gothic 2 dem Spieler eine unglaubliche Spieltiefe. Zudem wirken die Charaktere auch heute noch ziemlich Lebendig. Und die Dialoge begeistern immer noch durch ihre ungeschonte, teilweise ungewollt humorvolle Wortwahl.

Gothic 1&2 sind einfach zwei zeitlose Spiele und wenn ihr durch Zufall mal eins der Beiden auf einer Softwarepyramide seht, wird es sicher nicht euer Schaden sein es sich zu Kaufen.

 

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Tobias Paxian