Videospiele – Im Wandel der Zeit Ein Kommentar von Dominik Krendl

Posted on Aug 9 2011 - 10:38am by Tarnum

1972. Eine simple Programmierung aus dem Hause Atari geht um die ganze Welt und lässt einen Hype ins Rollen geraten, von dem in diesen Tagen niemand ansatzweise gerechnet hätte. “Pong” wurde geboren und was folgte war ein Quantensprung der Computertechnik.

Aus dem Nichts, als hätte der Vogel das Baby im Flug einfach fallen lassen, ja, so in etwa lässt sich das vergleichen, ist das Zeitalter der Videospiele auf die Welt gekommen. Man war damals von jedem noch so minimalistischen Ansatz eines Games wie verzaubert, man scherte sich nicht um Grafik, Story, Charaktere, Handlungszusammenhänge, Kollisionsabfragen, Bugs oder Delays. “Space Invaders” oder “Pac Man” überzeugten damals mit ihrer innovativen, aber einfachen Spielmechanik und sonnten sich im Licht eines Unikatlebens; damals gab es ja noch nichts, mit dem man sich messen konnte.

Doch schon bald wurden Menschen auf diese neblige Goldgrube aufmerksam und schlossen sich zusammen, um weitere Spiele zu schaffen. Und der Anspruch “Videospiel” stieg Spiel um Spiel. Was folgte waren Titel wie Age of Empires 1, Warcraft 3, Starcraft, “Gothic” etc. Der Spieleladen erschien uns immer so nahe, nie zu weit, die Spieleauswahl groß und die Cover bunt, überzeugend und besitzergreifend. Es ging nicht darum, was (wie heutzutage) irgendwelche 100 Spielkritiker behaupteten und am Spiel bemängelten. Wir probierten aus, ließen uns von der Lust am Spielen treiben und uns wahllos zugreifen.

Was dann folgte, können wir uns alle noch sehr gut vorstellen. Man legte die CD-ROM ins Laufwerk und die ersten Spielminuten, -wochen, -monate waren pure Magie. Die Soundtracks damaliger Spiele (v.a. als Beispiel mal Age Of Empires 1) schwirren noch heute in unseren Köpfen, lassen uns nicht los, fesseln uns. Billige Synthezizermelodien in einer Zusammensetzung, die Mozart damals nicht besser hingebracht hätte. Orchesteraufnahmen, die epische Ausmaße annahmen, als wäre Ennio Morricone der Komponist und gleichzeitig Gamedesigner gewesen. Wir ließen uns von der Einfachheit der Spiele blenden, in positivem Sinne. Man genoss jede Spielminute, der Alltag wurde zum “Virtual Life“, das “Virtual Life” zum “Real-Life“. Es kümmerte niemanden.

All diese Games hatten was, das uns nachts nicht mehr schlafen lies; fern, von der unfassbar gut erzählten Story oder der bahnbrechend atemberaubenden Grafik. Niemand weiß wieso, aber widerum weiß jeder, weshalb. Doch die Jahre verstrichen schneller als man dachte und der Markt forderte von den Menschen mehr Konsumgut. Was folgte waren Spiele, wie “Battlefield“, “Call of Duty“, “Counter Strike” und “Operation Flashpoint“, die gegenwärtige, nicht fiktive und auch ernste Themen ansprach, weshalb sie auch aufs Äußerste diskutiert und kritisiert wurden. Krieg und Mord von und an echten Menschen sollen also die Zukunft der Spiele sein? Exakt. Dem Spiellustigen wurde genau das serviert, was er sich unterbewusst und sehnsüchtig gewünscht hat. Wer wollte nicht schon immer mal Menschen töten, aber natürlich nicht wirklich? In Videospielen alles gar kein Problem. 2. Weltkrieg, Vietnam, Nazi-Deutschland, amerikanischer Bürgerkrieg, ein Rollenspielheld in einer Fantasiewelt, Horror Shooter, Agenten Thriller; alles war vertreten.

Und auf einmal verspürte der Laie eine gewisse Distanz zu den Spielen und man fühlte auch, wie die Entwickler immer weniger Seele in das eigentliche Spiel steckten. Es war nicht mehr dasselbe, wie noch vor Jahren zuvor. Die magischen Momente, die schlaflosen Nächte mit dem ständigen Gefühl “Schnell und wenig schlafen, damit ich morgen gleich weiter spielen kann”, schienen verpufft. Angetrieben von der modernen Videospielära und von der Konkurrenz unter Druck gesetzt wurden Spiele nur noch nach Qualität gemacht. Je besser die Grafik, je mehr der PC belastet wird, je krasser die Effekte und Sounds, je stärker und besser die Charaktere, je größer und farbenfroher und gleichzeitig authentischer die Spielwelt, desto besser.

Angekommen im Jahr 2011, also gefühlte 202.967 Spiele später, scheint der Markt unüberschaubar. Das Angebot nimmt grenzenlose Ausmaße an, jedes einzelne Entwicklerstudio witterte in den letzten 10 Jahren seine große Chance, einenm Spielehit zu landen und schufen ein Werk nach dem anderen und wenn sie sich gerade nicht darum kümmern, festzustellen, dass der Markt bereits überlastet ist, dann schaffen sie noch heute, wenn nicht gerade in diesem Moment. Man möchte meinen, jede einzelne Thematik, die man in irgendeiner Form hätte vermarkten und in ein Spiel umsetzen können, wurde behandelt, alle Variationen, Innovationen und Abgrenzungen scheinen ausprobiert und man wird einfach das verdammte Gefühl des “Déjà – Vu” ‘ s nicht los. “Irgendwo hat man das doch schon mal gesehen” heißt es dann in unseren Köpfen. Unsere Mäuler sind gestopft, der Drops gelutscht, der Berg bestiegen, das Steak gegessen, das Baby geboren und der letzte Buschmensch gefunden. Sättigung macht sich breit, Spiele dienen nur noch der Freizeitbeschäftigung und lassen unsere Augen lang nicht mehr so hell glänzen wie damals.

Plötzlich war dann da noch dieses Internet, das die einst in den Leben vieler Gamer stark verankerten Lan-Partys aus ihren Wurzeln riss. Auf einmal konnte man ohne viel Betätigung sich online in Spiele einklinken, gemütlich von Zuhause aus, ohne seinen PC abbauen und sich um den Kabelsalat hinter dem Rechner scheren zu müssen. Schon war es vorbei mit den schier endlosen “Splitscreenabenden” bei Freunden, bei denen man sich im Spiel verlor und zwei kg Chips, fünf Liter Limonade und 100 virtuelle Tode später dann den Erfolg des Spiels feiern konnte. Der soziale Kommunikations- und auch Kumpelfaktor verhungert auf der Strecke, Breitbandinternet und “Teamspeak” sind die Zukunft. Damals noch zusammen gestorben, stirbst du heute alleine.

Und DOCH ist da etwas, das uns den Grund gibt, wieso wir immer noch spielen. Der Mensch ist neugierig und will wissen, wie weit man denn noch gehen könne. Hat man sich vor ein paar Jahren noch eingeredet “besser als “Guild Wars” kann ein Spiel doch gar nicht mehr werden”, wurde man in den folgenden Jahren eines Besseren belehrt und solange uns dieses Gefühl erhalten bleibt, wird die Gesellschaft der Gamer und deren Leidenschaft zu Spielen noch lange erhalten bleiben. Selbst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen und der letzte Fluss vergiftet wurde, werdet ihr feststellen, dass dies alles keine Gründe sind, keine Games mehr zu entwickeln.

Q.E.D.

Tobias Paxian