Minecraft im Test: Ein Spiel für zwischendurch oder doch den ganzen Tag?

Posted on Jul 18 2011 - 5:35pm by Tarnum

Minecraft – Ein Spiel das polarisiert. Für die einen ist es das Spiel des Jahrzehnts, für die anderen der größte Schwachsinn, die Meinungen gehen weit auseinander. Fakt ist: Das Spiel befindet sich in der Betaphase und hat sich inzwischen bereits 2.824.837 mal verkauft.

„ Na was machst du heute noch?“, das war meine Frage an einen guten Freund von mir. „Och, eventuell zocke ich noch n‘ bisschen Minecraft“, war seine Antwort. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich diesen Namen noch nie gehört, also habe ich ihn ein bisschen ausgefragt. Irgendwann wurde es meinem Kumpel zu bunt und er hat mir am Nachmittag desselben Tages einen Link zugeschickt. Seit diesem Tag zocke ich Minecraft…

Was ist Minecraft? Minecraft ist praktisch wie LEGO, nur für Zocker. Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Es wird eine zufällige Welt generiert, in der man als Spieler gespawnt wird. Die Landschaften bestehen komplett aus „realistischen“ Materialien wie Erde, Holz oder Fels. Soweit hört sich das nicht unbedingt spannend an, das wirklich interessante an daran ist die Tatsache, dass alles, wirklich absolut alles, in Form von Würfeln dargestellt wird. Praktisch jeder dieser Würfel kann, gegebenenfalls mit dem richtigen Werkzeug, abgebaut werden. Die abgebauten Ressourcen lassen sich dann an einem beliebigen Punkt der Welt wieder platzieren oder zu neuen Produkten wie Werkzeug, Nahrung oder anderen Hilfreichen Produkten verarbeiten.

 

 

Der Spielverlauf von Minecraft wird vom Abbau und der Verarbeitung dieser Materialien bestimmt. Man fängt ganz klein an. Zu Beginn besitzt man nicht außer den Klamotten die man trägt, man muss also das erste Holz mit der bloßen Hand „hacken“. Bereits an dieser Stelle wird klar: Wer auf grandiose Physikeffekte und ein realistisches Survival-Spiel aus ist, ist hier ganz klar an der falschen Adresse. Hat man nämlich den ersten Block aus dem Baumstamm herausgeschlagen, so fällt dieser keineswegs um, sondern schwebt munter in der Luft. Doch diese Details tun dem Spielspaß keinen Abbruch, im Gegenteil. Kleinigkeiten wie diese ermöglichen es, grandiose Dinge zu bauen. Doch zu aller Anfang beschränkt man sich darauf, mit dem gewonnenen Holz einige Werkzeuge zu „craften“ (engl. „to craft“: von Hand fertigen), einige Steine abzubauen und sich ein kleines Haus für die erste Nacht zu bauen.

 

 

Denn bei Nacht wandelt sich die friedvolle Idylle gewaltig. Im Schutze der Dunkelheit treiben fiese Monster wie Zombies oder Skelette ihr untotes Unwesen und wollen euch ans Leder. Seid ihr allerdings in einem, ausreichend beleuchteten, abgeschlossenen Raum, habt ihr nichts zu befürchten und könnt euch in euer frisch gecraftetes Bett legen um bis zum nächsten Morgen durch zu schlummern. Das Sonnenlicht besorgt dann denn Rest und verbrennt die ungebetenen Gäste sodass ihr euch wieder frei bewegen könnt. Es sei denn ihr begebt euch in eine Höhle, dort gilt Vorsicht. Wer lieber nur bauen möchte und dabei nicht von irgendwelchen Kreaturen gestört werden möchte kann den Schwierigkeitsgrad auch auf „peaceful“ stellen, dann ist man ungestört und kann auch nachts schuften.

Viel mehr hat der Spielverlauf eigentlich nicht zu bieten und doch hat es sich schon in der Beta fast 3 Millionen mal verkauft. Auch der Multiplayer läuft genauso ab. Nur mit mehreren Spielern auf einem Server. Wo liegt also das Erfolgsgeheimnis? Die Antwort ist einfach. Es ist die Freiheit zu bauen was man will, wie man will und wo man will. Minecraft setzt praktisch keine Grenzen. Zugegeben in einer Tiefe von 64 Blöcken unter dem Meeresspiegel gibt es nur Lava, die alles unerbittlich verbrennt und in 64 Blöcken Höhe kann man nicht mehr weiter bauen, doch sonst sind dem Spieler keine Grenzen gesetzt.

 

 

Man hat immer die Möglichkeit noch einen Anbau zu erstellen oder einen Garten anzulegen. Wem das zu einfach ist, der kann sich auch elektrische Schaltkreise im Haus installieren oder einen Kilometerlangen Tunnel zu einem anderen Ort graben und eine Bahnstrecke verlegen. Solche Projekte alleine zu schaffen ist schon spaßig doch wenn man das auf einem Server mit anderen Spielern macht, ist das unbeschreiblich. Solche Projekte können unglaubliche Ausmaße annehmen. Es gibt bereits die Golden Gate Bridge, Minas Tirith, die U.S.S Enterprise und noch tausende andere Beispiele.

Technisch gesehen ist Minecraft sicherlich nicht auf dem neuesten Stand der Dinge. Wie bereits erwähnt, ist die Physik auf ein kleines Maß beschränkt, beispielsweise fließt aufgestautes Wasser halbwegs realistisch wenn man die Staumauer zerstört. Baut man jedoch Blöcke ab bleiben diese, bis auf einige Ausnahmen, in der Luft schweben, wenn man die umliegenden entfernt. Am auffälligsten ist jedoch die Grafik. Für die einen ist sie schlecht, für die anderen ist sie passend zum Spielkonzept gestaltet. An dieser Stelle setzt die sehr aktive Community an. Es gibt unzählige Mods, einige davon, sogenannte Texture-Packs verhelfen dem Spiel zu einem recht ansehnlichen Design, Andere fügen beispielsweise neue Werkzeuge oder mehr Tiere ein. Im Gegensatz zur Grafik hat der Sound keine Nachhilfe von Seiten der Spieler nötig.

 

 

Die Hintergrundmusik ist zwar nicht besonders abwechslungsreich aber die Soundeffekte sind in nahezu jeder Hinsicht passend. Ist man beispielsweise grade in einer Höhle unterwegs und hört irgendwo aus der Dunkelheit das charakteristische Stöhnen eines Zombies, ist Nervosität garantiert. Ein Wort noch zu den Hardwareanforderungen. Auch wenn das Spiel nicht danach aussieht, sind diese relativ hoch. Der Grund dafür ist die riesige Welt, die es zu berechnen gilt. Zu Beginn des Spiels hat die Karte noch eine Größe von wenigen Kilobyte. Im Verlauf des Spiels kann sich diese Datei auf mehrere Megabyte ausdehnen. Auch während des laufenden Spiels müssen ständig neue Berechnungen angestellt werden, die leistungsschwächere Geräte, wie meinen Laptop auf eine harte Probe stellen können. Ich selbst spiele auf niedrigsten Einstellungen und es ruckelt grade noch in erträglichem Maße.

Fazit: Minecraft ist auf den ersten Blick sehr simpel. Doch befasst man sich weiter mit der Materie so wird schnell klar, dass es sich um ein äußerst komplexes Spiel handelt. Nicht umsonst hat die Community eine WIKI geschaffen, welche bereits mehr als 1000 Artikel umfasst. Doch muss man nicht zwingend jeden Artikel kennen, Minecraft macht auch Spaß wenn man einfach nur mal drauf los bauen möchte ohne sich bis in letzte mit der Spielmechanik auseinandersetzen zu wollen. Wer also ein Spiel haben möchte, bei dem er seiner Kreativität freien Lauf lassen kann und dem die nicht zeitgemäße Grafik nichts ausmacht, der ist mit Minecraft sicherlich sehr gut bedient. Und für den fairen Preis von 14,95$ während der Beta, kann man sich auch ruhig mal einen Probekauf leisten.

 

Webseite zum Spiel: http://www.minecraft.net/

 

 

Tobias Paxian